14. Mai 2026 – Tag des Wanderns – Deutscher Wanderverband – Beitrag des Esslinger Gaus im Schwäbischen Albvereins e.V. – „Grüß Gott im Remstal“

14. Mai 2026 – Tag des Wanderns – Deutscher Wanderverband – Beitrag des Esslinger Gaus imSchwäbischen Albvereins e.V. – „Grüß Gott im Remstal“

Am Tag des Wanderns boten wir dieses Jahr eine etwa vierstündige Wanderung vom Stumpenhof (nahe Plochingen) über Aichschieß, Krummhardt und Aichelberg zum Aussichtspunkt Karlstein bei Endersbach an. Im 16. Jahrhundert entstand zwischen Endersbach und Strümpfelbach ein jahrzehntelanger Streit über die nach wie vor gemeinsamen Wälder, nachdem zuvor die gemeinsame Markung aufgeteilt
wurde.

1793 wurde dieser Streit durch Herzog Carl Eugen von Württemberg geschlichtet.
Der Karlstein (Foto) bietet eine hervorragende Aussicht auf das Remstal und Stuttgart. Nach dem Abstieg erreichten die Wanderer unter Leitung von Rainer Hauenschild Beutelsbach, einen Teilort von Weinstadt, der bekannt für seine Stiftskirche und Weinberge ist. Etwa 16 Kilometer; die Motivation bei den Mitwanderern war geladen. Wir mussten nicht warten.

Die anderer Gruppe vollzog einen etwa 4,5 Kilometer geführten Ortsrundgang durch Beutelsbach, wo sich der „Arme Konrad“ vor über 500 Jahren als eine Gruppe von Verschwörern gegen die Obrigkeit und ihre Willkür organisierte. Daneben gab es unter den Wanderfreund:inn:en eine hohe Zahl von Sympathisanten, die sich für die Ursprünge der Württemberger interessierten.

Beutelsbach ist das Schienennetz angeschlossen. Das Ortsbild wird geprägt von der Stiftskirche, mit ihrem 30 Meter hohen Turm, dem Stiftshof, Fachwerkhäusern sowie
dem Bürgerpark. Das rund 10 ha große Gelände befindet sich am Schweizerbach
zwischen Beutelsbach und Endersbach. Der Park ist ein Mosaik aus privaten und
öffentlichen Flächen. In der Mitte befindet sich ein Parkforum, bis zu dem wir auf dem ersten Abschnitt der Ortsbegehung vordrangen. Er besteht aus Rasen- und Wiesenflächen, Gärten, Sport- und Spielbereichen.

Zurück im Ort stiegen wir durch eine Häuser- und Gartenvielfalt bis zur Straße
„Weinsteige“ auf. Kurz vor der 1968 entdeckten Ruine der Burg Beutelsbach waren manche außer Atem. Sie wären SO GERNE mit Jürgen Gruß bis zur Ruine gegangen, haben dafür den Ausblick über Beutelsbach genossen und festgestellt, welche wunderbare Gegend das ist! Viel wandern macht bewandert. Die Burg Beutelsbach schützte die Kaiserstraße, eine wichtige Verbindung des Mittelalters, die über den Schurwald vom Fils- ins Remstal führte.

Um 12 Uhr trafen sich die beiden Gruppen mit insgesamt 31 Teilnehmer:inne:n vor bzw. in einer Beutelsbacher Traditionsgaststätte. Dankbar für die Möglichkeit, innezuhalten und ein köstliche Mittagessen zu genießen.

Danach riefen die Glocken der Stiftskirche dazu auf sich ihre besonderen Kostbarkeiten anzusehen. In ihren Mauern sind stellenweise Steine einer älteren Vorgängerkirche verarbeitet, die aus romanischer Zeit (vor 1100) stammt.

Im Jahr 1522, wurde das jetzige Kirchgebäude eingeweiht. Die spätgotische Kirche mit ihrem einschiffigen Langhaus war damit dem aufstrebenden Haus Württemberg unter Herzog Ulrich I. angemessen.

Zwar hatte Graf Eberhard von Wirtenberg – wie sich das Adelshaus damals schrieb –
die Grablege des Hauses schon um 1320 von Beutelsbach nach Stuttgart verlegt.
Doch bis heute gilt die besuchte Stiftskirche als „das Gotteshaus an der Wiege Württembergs“. Passend dazu griff der anwesende örtliche Organist am Ende der Erläuterungen in die Tasten. Ein „pfiffiger“ Mitwanderer hatte seine Trompete aus dem Rucksack geholt.

Das fünf Minuten entfernt liegende ehemalige Alte Rathaus (von 1534), heute „Württemberg-Haus“, beherbergt zwei bedeutende Museen zur lokalen Geschichte: Das „Museum Wiege Württembergs“ und das „Museum Bauernkrieg“ bzw. „Armer Konrad“. Die Besucher erwartete eine Zeitreise zur Entstehung Württembergs sowie Einblicke in die Bauernaufstände von 1514 und 1525: Die Ausstellung beleuchtet die Geschichte der Herren von Beutelsbach, die um 1080 auf den Württemberg, oberhalb Stuttgart-Untertürkheim zogen und dokumentiert in Vitrinen, auf Objektpodesten und auf illustrierten Tafeln den Bauernkrieg. Vom Beginn des Aufstandes, über die Landtage, die ständische Versammlung der politischen Elite eines Territoriums, bestehend aus Adel, Klerus und Vertretern der Städte in Stuttgart und Tübingen, den Marsch auf Schorndorf bis zu den Auswirkungen heutzutage.

Zum Abschluss übergab Jürgen wieder Führung und das Wort an Rainer.
Wirbesuchten die letzte Ruhestätte von Gotthilf Fischer auf dem Friedhof Beutelsbach.
Das Grab ist öffentlich zugänglich. Gotthilf Fischer, ein deutscher Chorleiter, der durch die von ihm gegründeten Fischer-Chöre bekannt wurde, starb am 11. Dezember 2020 im Alter von 92 Jahren in Weinstadt. Seine letzte Ruhestätte fand er im Grab neben seiner Frau Hildegard. Er war wie der Schwäbische Albverein und Rainer ein „echter“ Plochinger.

Text und Fotos Jürgen Gruß